9 März 2020

Das Ende einer Dienstfahrt

Submitted by ebertus

Mit Heinrich Bölls fast gleichnamigen Roman hat dieser Blog hier lediglich im übertragenen Sinne etwas zu tun; wird die Überschrift daher mit "Das" eingeleitet. Parallelen gibt es insofern schon, was die Skurrilität -hier und heute Realität- der zu Grabe getragenen Nutzfahrzeuge angeht.


Welche Hype wurde über die letzten Jahre großmedial um diese Streetscooter, die e-mobile Eigenentwicklung der Post erzeugt. Sogar die Chinesen sollten Interesse an dem eher wenig nutzbaren Nutzfahrzeugen angemeldet haben. Und nun? Sang- und klanglos, fast rückstandslos eingestellt; reiht sich ein in alle diese Spielzeugtechnik, welche oberhalb der zum Brötchenholen noch ansatzweise sinnvollen E-Mobile vorerst eher ein Hype bleiben wird.

Das Ende der Streetscooter, dieser gewesene Hype wird von Dirk Maxeiner  mit vielen Links und Querverweisen, dabei nicht wenig ironisch auf die berühmte Schippe genommen. So zitiert der Autor erkennbar genussvoll sich auch schon mal selbst, was vor mehr als einem Jahr zu diesem surrealen Projekt geschrieben stand.


Und wer die Böll'schen Parallelen sucht, dem sei diese Rezension  anempfohlen.

Kommentare

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Mir gefällt der triumphierend Ton des Textes trotzdem nicht. Wenn Elektromobilität irgend wo Sinn macht, dann bei Fahrzeugen, die einen festen Standort haben: ein Werksgelände, ein Parkhaus, ein Hof und das im Lieferverkehr in den Städten oder als öffentliches Verkehrsmittel. Diese Transporter der Post wären ein Schritt in die richtige Richtung. Der falsche ist in meinen Augen die Substitution des MIV, also des motorisierten Individualverkehrs, durch elektrisch betriebene Fahrzeuge. Der MIV muss und wird verschwinden. Vor allem aus den Innenstädten. Es ist einfach Unfug, eine irrsinnige Verschwendung natürlicher und menschlicher Ressourcen, 100 Kilo Mensch mit mehr als 1000 Kilo Stahl und Kunststoff zu bewegen. Es ist kein Menschenrecht , jeden Ort in einer Stadt auf diese Weise ungehindert erreichen zu können und seine Maschine fast beliebig in der Öffentlichkeit abzustellen.
Wenn es nach uns noch Zivilisation geben wird, was keineswegs sicher ist, werden sie diesen Zustand mit einer Mischung aus Ekel und Unverständnis betrachten. So wie wir die Zustände in mittelalterlichen Städten betrachten, als Unrat und Fäkalien auf den Straßen landeten.

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Trotzdem schade

Das stimmt schon, aber aus Sicht des Autors vielleicht verständlich.

Im Grunde, ich hatte es angedeutet, ist E-Mobilität aus heutiger, gar absehbarer Sicht auf nicht viel mehr als die von mir so genannten Brötchenholer beschränkt. Für Nutzfahrzeuge bis hin zu LKW's, Baggern, Bussen, Schiffen etc. gibt es absehbar keine ökonomisch wie ökologisch darstellbare Technik in den notwendigen Größenordnungen.

Komme ab und zu an der zwischen Frankfurt und Darmstadt rechts und links der A5 aufgestellten LKW-Oberleitung  vorbei, habe dort noch nie einen E-LKW gesehen; soll wohl auch nur ein einziges Testexemplar geben. Und das ist ein Diesel-Hybrid; mit einer möglichen E-Reichweite kaum über den einstelligen Kilometerbereich hinausgehend.

Aktuell sind die Spritpreise im freien Fall; wo doch bereits in den 90ern der sog. Peak-Oil erreicht worden sein sollte.

Gut für Russland, aber schlecht für die extrem umweltschädliche US-Frackingindustrie, die nur bei hohen Ölpreisen ökonomisch halbwegs darstellbar ist. Und schlecht für die E-Mobilität, welche neben anderen, kaum adressierbaren Problemen aus ökonomischer Sicht ebenfalls höhere, sehr hohe Ölpreise braucht.

Btw. und hier im Odenwald, wo es auch schon mal etwas steiler hoch geht, gar in den Höhenlagen etwas kälter wird und die Bevölkerungsdichte eher gering ist, da habe ich noch nie einen Streetscooter gesehen.

Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: "triumphierend"

Die Strecke kenne ich und habe da sogar einen LKW gesehen. War ne Zugmaschine ohne Auflieger. Das ganze ist, so konnte man es lesen, ein Versuch. Man macht es und schaut, wie es funktioniert, was besser geht, was schlechter ist und was man besser sein lässt.
Was könnte man lernen? Also um unendliche Staus zu vermeiden, sollte man separate Fahrbahnen haben. Um den gesundheitsgefährdenden Abrieb der Reifen zu reduzieren, sollten die Räder aus Stahl sein . Die können nicht auf Beton fahren, der zerstört würde. Würde man so eine Art Spur aus Stahl legen, müsste es gehen.
Ich glaube, ich habe eine geniale Erfindung gemacht. Nun braucht es noch einen griffigen Namen. Wie gefällt dir "Eisenbahn"?

Gerade in den Nachrichten gehört, dass die Hauptstadt des Staus München ist, dicht dahinter Berlin. Der Münchener Kraftfahrer steht durchschnittlich mehr als 80 Stunden im Stau. Schätze, im Odenwald weniger.
In Berlin hat man die Preise für die ÖVIs wieder kräftig angehoben. ,, Um unseren Mitarbeitern faire Löhne zu zahlen" und natürlich um zu ,,modernisieren".

Ich glaube, ich mag diesen Humor. Ich finde das lustig.

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf: Robert   zum Kommentar: Ober-Leitungsschaden

das mit dieser Art von Humor, Schilda wird real ...

Dabei war ich in den 80ern und bis Ende der 90er (dem Überfall auf Jugoslawien) durchaus ein Unterstützer und Wähler der Grünen. Und es gäbe/gibt auch heute noch viel zu tun:

Weitgehende Verbote von Plastik, von Einwegverpackungen, von Pestiziden, von Massentierhaltung, Inlandsflügen und dem unbegrenztem Rasen auf Autobahnen beispielsweise. Und ... was schon die alten Grünen forderten, den massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs; nah und fern.

Ob er dann vollkommen kostenlos sein muß, das ist eine separate Frage, hat Vor-und Nachteile.

Nur genau da, bei Letzterem zeigt sich Schilda sehr deutlich; und kürzlich sogar in der taz gelesen: wenn auch nur sechs bis zehn Prozent der Autofahrer umsteigen würden, dann bricht das totgesparte System vollens zusammen, ist auch mittelfristig weder von der Infrastruktur (Trassen, Züge, Bahnhöfe), noch vom notwendigen Personal her darstellbar; die Kostenseite mal ganz außen vor gelassen.

Nur noch (kleinere) E-Mobile für Versorgung und Dienste in der Innenstadt fände ich auch gut, nur ohne die dafür notwendige Infrastruktur wird das absehbar ein Traum bleiben müssen. Stattdessen will man jetzt das sog. Anwohnerparken massiv verteuern; wo jetzt schon, wie von einer in Steglitz wohnenden Bekannten erfahren, sie auch mit Anwohnerplakette keinen Parkplatz mehr findet. Werden wohl ähnlich wie beim Überbuchen von Flugzeugen viel mehr Plaketten verkauft, als es Parkplätze gibt.

Bild des Benutzers heinz

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Wenn die Post AG ihren Alleingang zu teuer bezahlt hat, ist das eine Frage der Kalkulation.

Es gibt genug andere Beispiele, wo ein E-Auto sinnvoll ist. Kinder rumkutschieren, Einkaufen und örtlicher Lieferverkehr. Weiter ist die Hybridtechnik schon vielfach eingesetzt bei Schiffen, der Bahn AG und bei Stadtbussen.

So what?!

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Kein Grund zum Frohlocken


bleibt uns, bleibt mir nicht viel mehr als die durchaus interessierte Position eines kritischen Beobachters. Sclußendlich, und soweit sich keine anderen Zwänge ergeben bzw. von Amts wegen aufgebaut werden, so wird der Käufer das letzte Wort haben.

Irgendwo gelesen, dass VW seine neuen, nun endlich den Durchbruch bringen sollenden E-Mobile (ID.3) wegen "Softwareproblemen" jetzt auf Halde produziert, es doch angeblich viele, viele Vorbestellungen gibt.

Ok, jeder VW-Händler in Deutschland wird mindestens zwei bis sechs bestellt haben, nehmen müssen.

Und der Lithiumputsch in Bolivien ist auch noch nicht ausgestanden ...

Bild des Benutzers heinz

Antwort auf: ebertus   zum Kommentar: Eben deswegen

... kritisch brauche ich nicht zu sein.

Ich weiß, daß die Politiker die schlechteren Unternehmer sind und die Post, Bahn, etc. darum schlecht geführt werden. Die marode Infrastruktur landauf, landab, die von Politikern kaputt gespart wurde, inklusive der IT-Netze, brauche ich hier gar nicht einzeln zu erwähnen.

Bild des Benutzers ebertus

Antwort auf: heinz   zum Kommentar: Beobachter ja, aber ...

Dir ist bekannt, dass ich dieser Bigotterie, diesem Wasser predigen und Wein saufen  gern auf der Spur bin.

Es beleidigt die mir dankenswerter Weise verbliebene Restintelligenz. Wenn "sie", der Staat, der Bund, die Länder und die Gemeinden es ernst meinten, dann müssten sie nicht auf so skurrile Projekte wie die Streetscooter oder die Oberleitungen auf der Autobahn warten. Dann müssten sie doch schon längst -und hoffentlich mit Erfolg- die Fahrzeugflotten in ihrem Einflußbereich gnadenlos auf E-Mobilität umstellen.

Im März 2019 hatte ich mit Bezug auf den Berliner Tagesspiegel geschrieben, dass die BVG "noch in diesem Jahr", also 2019 dreissig Stück eines klimagewandelten Schildbürgerstreiches  auf die Straße bringen will. Seitdem nichts mehr davon gehört oder gelesen;

schlimmstenfalls das hier, wäre eine erfolgreicher Umsetzung mit großmedial orchestrierten Fanfaren vermeldet worden.